06. Dezember 2017

Caritas übernimmt LIGA-Führung: Armutsbekämpfung zentrale Aufgabe für Politik und Wohlfahrtsverbände


Die Caritas hat die Federführung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Saar vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Rheinland- Pfalz/Saarland e.V., übernommen. Die Liga will sich in den Jahren 2018/19 insbesondere mit der Armutsbekämpfung im Saarland beschäftigen.

Vor allem Kinder- und Altersarmut fordern Wohlfahrtsverbände und Politik zum Handeln heraus. Dies betonte der neue Vorsitzende der Liga Saar und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Diözesan-Caritasverbände im Saarland, Bernward Hellmanns, anlässlich der Übergabe der Federführung am 5. Dezember in Saarbrücken. 

Der scheidende Liga-Vorsitzende, Michael Hamm, Landesgeschäftsführer der Parität Rheinland-Pfalz/Saarland, begrüßte die Gäste im Johannesfoyer und zog eine Bilanz der Liga-Arbeit 2016/17. Es sei die besondere Stärke der Liga, ihre Expertise in die Gestaltung aller sozialen Felder einzubringen. Dies verdeutlichte Hamm an dem breiten Spektrum der Aufgaben in den beiden letzten Jahren. Dazu gehörten Positionierungen unter anderem zum Bundesteilhabegesetz (BTHG), zur Kindertagesbetreuung, Armutsbekämpfung, Integration von Flüchtlingen und Mitgestaltung der Arbeitsmarktpolitik. Für die Zukunft gelte es „am Ball zu bleiben“ und die Sozialpolitik im Sinne benachteiligter Menschen mitzugestalten. Mit über 50 000 Mitarbeitenden und mehreren Tausend Ehrenamtlichen haben die in der Liga zusammengeschlossenen Wohlfahrtsverbände ein starkes Potenzial, sagte Hamm.

 Das partnerschaftliche Miteinander von Politik und Liga hoben die Staatssekretäre Stephan Kolling (Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie) und Christine Streichert-Clivot (Ministerium für Bildung und Kultur) hervor. Es sei gemeinsames Ziel, die Schwachen zu stärken und Teilhabe für Benachteiligte zu ermöglichen. So seien beispielsweise die Entwicklung eines Aktionsplans zur Bekämpfung von Armut und die Weiterentwicklung von inklusiven Kindertageseinrichtungen und Ganztagsschulen wichtige Aufgabenfelder, denen sich das Land gemeinsam mit der Liga stellen müsse.

 Einen dringlichen Appell zum Erhalt von gesellschaftlicher Vielfalt formulierte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Prälat Dr. Peter Neher. Er rückte das aktuelle Caritas-Jahresthema „Zusammen sind wir Heimat“ in den Mittelpunkt seiner Rede. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche werde ein Austausch über Vorstellungen von Heimat sehr wichtig. „Heimat wird aber nicht geschützt oder bewahrt, indem man Grenzen zieht und auf Unterscheide verweist. Denn Heimat kann man teilen“, so Neher. Um Zusammenhalt zu befördern, sei die Entwicklung von Teilhabe- und Chancengleichheit wichtig. „Damit sind die Fragen, die in der neuen Legislaturperiode von einer zu bildenden Bundesregierung beantwortetet werden müssen, nicht zuletzt soziale Fragen“, sagte Neher. Zum Thema Integration forderte Neher Ehrlichkeit in den Debatten: „Integration ist kein Sonntagsspaziergang“. Politik, Medien und Zivilgesellschaft hätten die große Verantwortung, deutlich zu machen, dass es bei der Frage der Integration keine vermeintlich einfachen Lösungen gibt. Es gelte, Gesellschaft und damit auch Heimat für die Menschen zu gestalten.

 Perspektiven für die Liga-Arbeit 2018 und 2019 eröffnete der neue Vorsitzende, Bernward Hellmanns. Er verwies unter anderem auf die Notwendigkeit der Armutsbekämpfung. „Der langjährigen intensiven Analyse der Armutsfrage, den Gutachten und Forschungsaufträgen sollte nun die tatsächliche Bekämpfung dieser, für unsere reiche Gesellschaft beschämenden Situation vieler Menschen folgen“, so Hellmanns. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit. Der Erste Arbeitsmarkt bleibe für viele langzeitarbeitslose Menschen auch im Saarland fest verschlossen. Die Landesregierung habe in dieser Frage mit dem Programm „Arbeit für das Saarland“ in den zurückliegenden Jahren einen richtigen Weg beschritten. Gefordert sei jetzt auf der Bundesebene ein Wechsel in der Politik der Arbeitsmarktintegration. Das Saarland müsse Modellregion für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie den „Passiv-Aktiv-Transfer“ werden. Als gesamtgesellschaftliche Herausforderungen nannte Hellmanns u.a. die Integration von Flüchtlingen und EU-Migranten, den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf Infrastrukturen in Stadt und Land sowie die rasante Beschleunigung der Digitalisierungsprozesse. 





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