26. Februar 2018

Ausstellung “Überall Luthers Worte... Martin Luther im Nationalsozialismus“ in der Saarbrücker Ludwigskirche eröffnet


„Wir müssen immer wieder zeigen, wohin Hass und Ausgrenzung führen.“ Mit diesem Appell von Rabbiner Professor Andreas Nachama wurde am Sonntag in der Saarbrücker Ludwigskirche die Ausstellung “Überall Luthers Worte... Martin Luther im Nationalsozialismus“ eröffnet.

Die Ausstellung sei eine Dokumentation dessen, was in der Zeit des selbsternannten „tausendjährigen Reichs“ Macht gewinnen konnte, sagte der Direktor der Berliner Stiftung Topographie des Terrors, die die Schau zusammengestellt hat. In Saarbrücken ist sie als erste Station nach Berlin noch bis zum 15. März zu sehen. Dass sie in einer Kirche präsentiert werde, gebe ihr etwas besonders Ausdrucksvolles, so Nachama. Im Dritten Reich habe die Kirche zwei Gesichter gezeigt: „Es gab Komplizenschaft und es gab christlichen Widerstand.“

 

Anhand von rund 180 Fotos, Schrift- und Tondokumenten wird dargestellt, wie der NS-Staat den Reformator Martin Luther für seine rassistische und judenfeindliche Ideologie vereinnahmte. Sie wirft ein Schlaglicht auf Luthers dunkle Seite ebenso wie auf die Verstrickungen der Amtskirche in die NS-Ideologie. Angefangen mit dem „Deutschen Luthertag“ im November 1933 zum 450. Geburtstag des Reformators vollzog sich ein verhängnisvoller Schulterschluss der Kirchenführungen mit den neuen NS-Machthabern. Die „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ überhöhte Luther als urdeutschen Charakter und spielte damit dem NS-Staat in die Hände. Schon bei den Kirchenwahlen im Juli 1933 schrieben sie zum Beispiel in ihrem Wahlaufruf: „Wir verbinden aber Christentum und Deutschtum, daher Christuskreuz und Hakenkreuz. Wir stehen auf dem reformatorischen Glaubensgrund: Luther der Held von Wittenberg und Worms.“

 

Der zweite Teil der Ausstellung nimmt die Jahre von 1935 bis 1938 in den Blick. Luthers judenfeindliche Schrift aus dem Jahr 1534 „Von den Juden und ihren Lügen“ wurde vielfach neu aufgelegt und diente als Rechtfertigung der Judenverfolgung. Die geschürte Judenfeindschaft kulminierte schließlich in der Nacht von 9. auf den 10. November 1938 - Luthers 455. Geburtstag: In der Reichspogromnacht brennen in Deutschland die Synagogen.

 

Der dritte Teil der Ausstellung beleuchtet die Rolle der Kirchen im Zweiten Weltkrieg. Während die Kritiker der NS-Politik überwacht und verfolgt wurden, erhielt Luther in Kriegspredigten ab 1939 neue Bedeutung, indem er zur „heldenhaften Führerfigur“ stilisiert wurde. Außerdem wurde die sogenannte „Entjudung“ des religiösen Lebens forciert. Im evangelischen Gesangbuch von 1941 erschien zum Beispiel unter der Rubrik „Heilig Vaterland“ das Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ mit geändertem Text. Die Zeile „Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth“ wurde zu „Er heißt Jesus Christ, der Retter in Not“. Das hebräische Wort Zebaoth als im Alten Testament geläufiger Gottesname wurde gestrichen.

 

Die Ausstellung in Saarbrücken solle auch dazu beitragen, die Schattenseiten der Wirkungsgeschichte der Reformation aufzuarbeiten, sagte Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, der Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, bei der Vernissage. Zuvor hatte er gemeinsam mit Pfarrer Thomas Bergholz von der Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken einen Gottesdienst zu dem Ausstellungsthema gestaltet. Viele Kirchenführer in der NS-Zeit hätten auf andere Stimmen als die Gottes gehört, sagte Hofmann in seiner Predigt. Und er mahnte, auch heute seien schon wieder schrille rechtspopulistische Stimmen in unserer Gesellschaft zu hören. Ulrike Klös

 Geöffnet: bis 15. März, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr

Katalogband zur gleichnamigen Ausstellung, Hrsg.: Stiftung Topographie des Terrors, vertreten durch Prof. Dr. Andreas Nachama, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, vertreten durch Prof. Dr. Johannes Tuchel, Berlin 2017, 272 S., ISBN 978-3-941772-33-5, 18 Euro.





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