14. Januar 2019

Die evangelische Kirche im Saarland jünger und attraktiver machen


„Froh sind wir darüber, dass die junge Generation unserer Kirche sich in einer Weise an den landessynodalen Beratungen beteiligen konnte, wie es bisher noch nicht geschehen ist“, bewertete Superintendent Christian Weyer, die erstmalig der Landessynode vorgeschaltete Jugendsynode.

„Dabei haben unsere drei jungen Synodalen aus dem Saarland, Mirjam Lehberger, Wiebke Kopmeier und Phillipp Laval, eine wesentliche Rolle gespielt“, betonte er stolz. Sie hätten dazu beigetragen, dass Beschlüsse zu den Themen Jugendarbeit und Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen einstimmig gefasst wurden.

Und so ist Anfang Januar das Experiment gelungen, die Landessynode mit einer Jugendsynode zu koppeln. Die Synodalen der Kirchenkreise Saar-West und Saar-Ost blicken dankbar auf die Ergebnisse zurück und möchten die Impulse nutzen, die evangelische Kirche in den nächsten Jahren auch im Saarland jünger und attraktiver zu machen.

Junge Menschen stärker einbinden

Die Evangelische Kirche im Rheinland verpflichtete sich auf der Landessynode zu einer vielfältigen Kinder- und Jugendarbeit. Diese richte sich an alle Kinder und Jugendlichen und umfasse die Verkündigung des Wortes Gottes, das gesellschaftliche Engagement sowie die sozial-diakonische Arbeit. In ihrem Beschluss zur Kinder- und Jugendarbeit, der die Ergebnisse  der ersten Jugendsynode der rheinischen Kirche aufnahm , sagte die Landessynode 2019 „verlässliche Ressourcen“ für die wirksame Kinder- und Jugendarbeit zu. Bei der Schaffung, Erhaltung und Stärkung von Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit sind sich auch die saarländischen Kirchenkreise und Kirchengemeinden ihrer Aufgabe bewusst.

 „Die Impulse der Jugendsynode nehmen wir mit in die Kirchenkreise und werden dort überlegen, wie wir Jugendliche und auch Menschen, die nicht zum engeren Kreis der evangelischen Kirche gehören, stärker in unsere Prozesse einbeziehen können“, berichtete Weyer. Ein  neues Konzept übergemeindlicher Jugendarbeit, das der Unterstützung und Begleitung der Jugendarbeit in den Kirchenkreisen Saar-West und Saar-Ost dienen soll, werde  auf den kreiskirchlichen  Frühjahrssynoden der Kirchenkreise Saar-West und Saar-Ost geplant vorgestellt.

Gegen Jugend- und Familienarmut engagieren

Die Landessynode unterstützte zudem die Forderungen der Jugendsynode, die in ihrem Leitpapier zur „Jugend- und Familienarmut“ ein verstärktes Engagement der Kirche in diesem Feld gefordert hatte. Zur Landessynode im Januar 2020 will die Landeskirche dazu unter Beteiligung von jungen Menschen eine fundierte Stellungnahme erarbeiten und öffentlich Position beziehen. Hier wird sich auch die Evangelische Jugend im Saarland engagiert mit einbringen, sagt Saarländer Philipp Lavall aus dem Vorstand der Evangelischen Jugend im Rheinland.

Im Leitpapier forderte die Jugendsynode die Kirche auf, sich für niederschwellige lokale Servicestellen einzusetzen, die Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien beraten und unterstützen. Die Diakonie Saar hat hier in mehreren Städten oder Stadtteilen bereits verschiedenste Anlaufstellen, wie beispielsweise die Kinderhäuser und die Sozialraumbüros. Das sei allerdings lange nicht ausreichend, so Oliver Kremp-Mohr aus der Geschäftsführung der Diakonie Saar. Als Landessynodaler begrüßt er, dass die Synode in Bad Neuenahr mit großer Mehrheit beschlossen hat, das Thema noch mal stärker in den Blick zu nehmen.

Neue Gemeindeformen sollen Kirche den Menschen näher bringen

Kirche in neuen Formen näher zu den Menschen zu bringen, dafür gibt die Evangelische Kirche im Rheinland in den kommenden zehn Jahren sechs Millionen Euro aus und schafft zusätzliche  Pfarrstellen. Das ist auch für die saarländischen Gemeinden eine Chance ihr vielfältiges Angebot zu ergänzen. „Die neuen Perspektiven der kirchlichen Weiterentwicklung sind für unsere Landeskirche ein existenzielles Thema“, erklärte Weyer. „Wir werden uns in diesem Jahr damit auch in den Ständigen Ausschüssen der Landessynode weiter beschäftigen.“

Das Saarland gehört zu den "ärmeren" Regionen der Landeskirche

„Die Beratungen über die Verteilung der Kirchensteuer waren intensiv, aber auch fair und sachlich“, berichtete Oliver Kremp-Mohr, Landessynodaler des Kirchenkreises Saar-Ost. Beschlossen wurde am Ende eine moderate Anpassung des garantierten Pro-Kopf-Aufkommens. „Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der uns zunächst ab 2020 ein bisschen mehr Spielraum im Saarland geben wird, der uns aber vor allem Zeit gibt, neue Ideen für Ausgleich zwischen den Lebensverhältnissen in den Kirchenkreisen zu beraten und so eine möglichst gerechte Kirchensteuerverteilung zu erarbeiten.“ Deutlich sei geworden, dass das Saarland zu den "ärmeren" Regionen der Landeskirche gehört und dass die saarländischen Kirchenkreise weiterhin der Solidarität bedürfen. Bis zur Landessynode 2023 sollen dann die Ständigen Synodalausschüsse Vorschläge zur Änderung des Verfahrens der Kirchensteuerverteilung vorlegen.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der als Gast zur Eröffnung der Landessynode ein Grußwort gesprochen hat, unterstützt es, jungen Menschen in der Diskussion um die Zukunftsfragen der Gesellschaft mehr Einfluss zuzubilligen. „Es ist doch gerade der Elan, die Schaffenskraft, der Wille junger Menschen, Neues zu entdecken, der aus meiner Sicht am besten geeignet ist, den Nährboden für totalitäre Systeme, für Nationalismus und den zornigen Zynismus der Populisten trockenzulegen“, so Hans.





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