07. Januar 2019

Erste Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland: Dialog auf Augenhöhe


Die Jugendsynode der rheinischen Kirche, die vom 4. bis 6. Januar in Bad Neuenahr tagte, macht sich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, für neue Gemeindeformen und die stärkere Teilhabe von jungen Leuten auch an der Leitung von Kirche stark. Eindrücke der Delegierten aus dem Saarland.

An der Jugendsynode nahmen jeweils 50 Delegierte der rheinischen Landessynode und der Evangelischen Jugend im Rheinland sowie zehn Vertreterinnen und Vertreter aus der ehrenamtlichen Konfirmandenarbeit, von Studierenden- und Schulgemeinden sowie ökumenische Gäste teil. Darunter waren auch vier Delegierte aus dem Saarland.

Am Ende gaben die Delegierten der Landessynode fünf Beschlüsse mit auf dem Weg. Die Evangelische Kirche im Rheinland soll verbindliche Formen der Teilhabe junger Menschen in ihrer gemeindlichen Arbeit und in ihren Gremien schaffen. Die Kirchengemeinden und Kirchenkreise sollen verbindliche Fachausschüsse für Jugend einrichten, in denen junge Menschen die Hälfte der Mitglieder stellen. Dazu soll auch die Kirchenordnung geändert werden.

Angesichts einer permanenten Verschärfung des Asylrechts und restriktiver Abwehr von Flüchtenden an den Außengrenzen der Europäischen Union (EU) fordert die Jugendsynode die Gemeinden auf, vor der Europawahl im Mai 2019 das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern zu suchen und sie für die  besondere Schutzbedürftigkeit  von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu sensibilisieren.

Die rheinische Kirche wurde zu  verstärktem Engagement gegen die Kinder-, Jugend- und Familienarmut  aufgefordert.  Die Jugendsynode begrüßte die Entwicklung neuer Gemeindeformen und setzt sich für verlässliche Ressourcen in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit ein.  Deswegen sei es wichtig, flächendeckend ausreichend Personalstellen in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit vorzuhalten.

 

Eindrücke der Delegierten aus dem Saarland

Pfarrerin Andrea Lermen aus Schaffhausen, Landessynodale für den Kirchenkreis Saar-West
Ich bin ohne feste Erwartungen zur Jugendsynode gefahren – einfach neugierig, gespannt und offen für die Arbeitsweise, die Diskussionen und die Meinungen junger Menschen. Sie sind Gegenwart und Zukunft unserer Kirche und nehmen ihr Engagement in einer für mich beeindruckend selbstbewussten und sachkompetenten Weise wahr.

Mir ist deutlich geworden, dass eine wirksame Kinder- und Jugendarbeit verlässliche Ressourcen und eine angemessene personelle, finanzielle und räumliche Ausstattung benötigt. Diese Erkenntnis begleitet mich bei den Überlegungen zu einer Neustrukturierung der übergemeindlichen Jugendarbeit bei uns im Saarland.

 

Philipp Lavall aus Schaffhausen, Vorstand der Evangelischen Jugend im Rheinland
Ich war gespannt, wie sich die Begegnungen zwischen den Landes- und den Jugendsynodalen entwickeln und ob der Dialog auf Augenhöhe gelingt. Von Anfang an waren jedoch keinerlei Abgrenzungen zu spüren. Beide Gruppen haben konstruktiv miteinander diskutiert und die Landessynodalen haben sich über den Input der Jugend gefreut, wodurch Dinge auch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. So wurde ‚frischer Wind‘ eingebracht.
Die Rede des Präses von einer Uraufführung weckt bei uns die Hoffnung, dass die Jugendsynode keine einmalige Angelegenheit war, sondern in größeren Abständen wiederholt wird.


Miriam Lehberger aus Völklingen, berufenes Mitglied der Landessynode für die jüngere Generation

Ich bin mit viel Motivation und Hoffnung zur ersten Jugendsynode aufgebrochen. Ich habe die Jugendsynode von Anfang an als Chance gesehen, Kinder- und Jugendarbeit in unserer Kirche zu stärken. Am Ende kann ich sagen, dass ich mit frohem Geist und Elan nach Hause fahre und hoffe, den Mut mit zu uns in unsere Kinder- und Jugendarbeit im Saarland zu tragen.

Mich hat sehr beeindruckt, dass die rheinische Kirche sich dazu verpflichtet,  allen jungen Menschen Partizipation zu ermöglichen. Junge Menschen sind selbstverständlich ein Teil unserer Kirche und deshalb ist es unerlässlich, dass sie auch an allen Stellen mitbestimmen dürfen.

 

Wiebke Kopmeier aus Sulzbach, Landessynodale für den Kirchenkreis Saar-Ost
Es war wunderbar zu erleben, wie viele Menschen sich für die Themen der Jugendsynode interessieren und aus welchen verschiedenen Bereichen diese auch zusammen kamen. Die sogenannte junge Stimme wurde ernst genommen und beschäftigte sich zudem mit zwei Papieren, die noch in der Landessynode diskutiert werden: EU-Außengrenzen und Gemeindeformen. Auch der Vortrag von Prof. Wolfgang Ilg über neue Studienerkenntnisse über Partizipation zeigte auf, dass sehr wohl junge Menschen eine starke Zielgruppe sind, die in den Blick genommen werden muss. Allerdings dürfen gerade nach solch einer – wie ich finde – überaus gelungenen Premiere auch andere Zielgruppen nicht außer Acht gelassen werden. red/hp

 





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