24. August 2018

Stille Oasen im Schulgetümmel: Schulsseelsorgeraum in Dillingen eingeweiht


Ein neuer Schulseelsorgeraum wurde in der Schule am Römerkastell in Dillingen eingeweiht. Für Schulpfarrer Tim Jochen Kahlen bietet der Raum Platz für Andachten und Seelsorgegespräche, aber auch einen Rückzugsort für Schülerinnen und Schüler.

„Hier kann man offen reden, sitzt entspannt im Kreis, kann sich in die Augen schauen.“ Justin, 16, mag den neuen Schulseelsorgeraum „,komma runter“ der Schule am Römerkastell im saarländischen Dillingen. Pfarrer Tim Jochen Kahlen, der hier evangelische Religion unterrichtet, hat das Projekt auf den Weg gebracht.

Ein mit grauem Nadelfilz ausgelegtes Podest, darauf sonnengelbe Sitzkissen, die Wände in Gelb-, Rot- und Brauntönen gestrichen, eine stilisierte Sonne. Von der Decke spenden zwölf kleine Strahler in einer kreisrunden Leuchte, die mit einem Kreuz unterteilt ist, angenehmes Licht. Vor dem Podest ein kleiner Besprechungstisch. Das neue Zuhause von Schulseelsorge und Schulsozialarbeit ist schlicht, aber anheimelnd – und vor allem „kein Arbeitsraum wie jeder andere“, sagt Kahlen. Das ist auch Denise (16) und Leonie (15) wichtig. Hier können sie in freundlicher Atmosphäre vom Unterrichtsstress abschalten und mal runterkommen. Schließlich verbringe man viel Zeit in der Schule, sagt Leonie: „So einen Raum sollte es in jeder Schule geben.“

Raum für Stille und Achtsamkeit

„Schulen sind oft sehr laute und hektische Einrichtungen. Schulseelsorge kümmert sich deshalb verstärkt um Rückzugsräume für Stille und Achtsamkeit“, sagt die Landespfarrerin für Schulseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Sabine Lindemeyer. Sie freut sich mit Pfarrer Kahlen und den Dillinger Schülerinnen und Schülern über den neu gestalteten Raum, der auch mit Fördermitteln der rheinischen Kirche finanziert wurde.

Gerade zu Beginn eines Schuljahres, wenn Klassen und Lehrkräfte neu zusammenfinden müssen, entstehen häufig Probleme und Konflikte, sind Schoolworker und Schulseelsorger besonders gefordert. „Hinter Lernschwierigkeiten oder schlechten Noten stecken oft andere Probleme“, erklärt Lindemeyer. „Aufgabe der Schulseelsorge ist es, auf Betroffene zuzugehen und zu signalisieren: Ich bin da, ich habe Zeit für Dich und höre Dir zu.“ Das geschehe aber nicht in Konkurrenz zum Klassenlehreramt oder der Schulsozialarbeit, sondern als Ergänzung speziell auch mit spirituellen Angeboten, unterstreicht die Landespfarrerin.

Schulseelsorge hat Sprechstunde

Streit mit Mitschülern, familiäre Sorgen wie Scheidung der Eltern oder das schwierige Zusammenleben in Patchwork-Familien lassen die Jugendlichen das Gespräch suchen, hat auch Tim Jochen Kahlen erfahren. Im neuen Schulseelsorgeraum bietet er jetzt dienstags in der dritten Stunde eine regelmäßige Sprechzeit an. Auch kleine Andachten und die „Stillen Pausen“ – statt Toben auf dem Schulhof eine Auszeit, die schweigend verbracht wird, – haben dort jetzt einen festen Ort.

 Interreligiöse Brücken bauen

Diese Angebote ziehen auch Kinder an, die nicht im Religionsunterricht auftauchen, hat Kahlen festgestellt. Nur zehn Prozent der 450 Schülerinnen und Schüler der Schule am Römerkastell sind evangelisch. „Wir haben hier Kinder aus 20 Nationen und acht verschiedenen Religionen und Konfessionen“, so der Schulseelsorger. Vier von fünf Kindern haben einen Migrationshintergrund. Dennoch sei es gelungen, eine Schulgemeinschaft zu formen. „Diesen Brückenbau wollen wir auch mit dem Schulseelsorgeraum unterstützen“, bekräftigt Kahlen.

Sich Kennenlernen und den Zusammenhalt untereinander stärken, das ist gerade zu Schuljahresbeginn wichtig, sagt Landespfarrerin Lindemeyer. In vielen Schulen gehören deshalb Schulgottesdienste nach den Ferien fest zum Stundenplan. Vielerorts gibt es auch spezielle Einschulungsgottesdienste für die Erstklässler, häufig organisiert von den örtlichen Kirchengemeinden. Gut angenommen werden außerdem von der Schulseelsorge angebotene Gesprächskreise für Eltern, deren Kinder evangelischen Religionsunterricht besuchen, obwohl sie selbst einer anderen Religion angehören oder ohne Konfession sind, berichtet Lindemeyer.

ekir.de/Text Ulrike Klös

 





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